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Die Pflanzenwelt –  von Steppenrollern und Schönheiten vom Mittelmeer

Bei den Pflanzen gilt es ganz besonders: die Mischung macht´s! Arten aus den Steppen Osteuropas wanderten während der Eiszeiten in den Naturraum ein, denn Unterfranken war vor ca. 20.000 Jahre von einer baumlosen Tundra bedeckt. Schon damals kamen hier Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), Adonisröschen (Adonis vernalis), Erdsegge (Carex humilis), Steppenwolfsmilch (Euphorbia seguieriana) und auch die grazilen Federgräser (Stipa-Arten) vor. Sie blühen bereits zeitig im Frühjahr, denn nur dann ist in den kontinentalen Steppen noch ausreichend Bodenfeuchte vorhanden. In nacheiszeitlichen Wärmezeiten vor ca. 10.000 Jahren war es im Mittel wärmer im Vergleich zu unseren heutigen mittleren Temperaturen. In dieser Zeit sind viele Pflanzenarten aus dem Mittelmeerraum in diese Region vorgedrungen. Die meisten der vorkommenden Orchideenarten insbesondere die Ragwurz-Arten,  sind mediterrane Florenelemente, ebenso wie Sonnenröschen (Helianthemum canum und apenninum) und der Blaugrüne Faserschirm (Trinia glauca). Viele erreichen im Raum Hammelburg die Nordgrenze ihres Verbreitungsareals. Als die Temperaturen in der Bronze- und Eisenzeit  um 2-  4 °C im Jahresmittel wieder abnahmen, konnten sich viele dieser Arten an den trockensten und heißesten Standorten im Naturraum halten und überdauern seither hier, oft weitab von ihren heutigen Schwerpunktvorkommen.
In den Mainfränkischen Trockenrasen kommt daher eine einmalige Mischung aus hochwertigen, EU-weit bedeutsamen und schützenswerten Arten vor. Wir stellen Sie Ihnen hier gerne einmal vor:

Um mit den extremen Standortbedingungen auszukommen, haben viele Pflanzen spezielle Überlebensstrategien ausgebildet, wie

    • eine Verkleinerung der Blattfläche als Verdunstungsschutz insgesamt oder durch spezielle Mechanismen wie dem Einrollen der Blätter sowie durch die Entwicklung einer Behaarung wie z. B. bei der Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris);
    • eine Wasserspeichermöglichkeit im Pflanzengewebe wie bei den Mauerpfeffer- und Fetthennen-Arten (Sukkulenz, Sedum-Arten);
    • eine kurze Entwicklungszeit von Blüte bis Samenbildung (einjährige Pflanzen);
    • Ausbildung tiefreichender Wurzeln, um an sich in Spalten sammelndes Regenwasser zu gelangen;
    • Ausbildung von unterirdischen Speicherorganen (Geophyten), die die ungünstigen Jahreszeiten mit  unterirdischen Knospen, Zwiebeln, Rhizomen oder Knollen überdauern. Bekannt sind v. a. die Zwiebel-Geophyten wie die Traubenhyazinthen-Arten (Muscari-Arten) oder der Acker-Goldstern (Gagea villosa). Auch sogenannte „Schmarotzerpflanzen“ wie die Sommerwurz-Arten (Orobanche) sind Geophyten, die sich zudem nur auf ganz bestimmten Wirtspflanzen entwickeln können.

Als „Steppenroller“ werden Steppen- und Halbwüstenpflanzen genannt, deren oberirische Pflanzenteile nach dem Blühen oberhalb der Wurzel an einer Soll-Bruchstelle brechen und als ganze Pflanze, oft auch in ganzen Ballen, vom Wind getrieben werden, wobei die Samen nach und nach verstreut werden. Oft bilden sich dann regelrechte Ballen, die vom Wind über die Rasen rollen. Ihre Vertreter sind  Feldmannstreu (Eryngium campestre) und Blaugrüner Faserschirm (Trinia glauca).

Flechten gehören nicht zu den Pflanzen, sondern werden den Pilzen zugestellt, denn sie bilden sich aus einer Symbiose zwischen Algen, Bakterien und Pilzen. Besonders im Winter und Frühjahr, wenn die krautigen Pflanzen abgestorben sind, fällt die Bunte Erdflechten-Gesellschaft (Toninion caeruleonigricantis) der Trockenrasen auf. Farbenfroh in schwefelgelb und orange zeigen sich die Feuerflechte oder Gelbliche Lagerschuppenflechte. Sie stammen alle aus dem Mittelmeerraum  und sind Überbleibsel der nacheiszeitlichen Wärmezeiten.

Nicht nur durch Verbuschung verändert sich der Lebensraum vieler Arten, in Zeiten globalen Handels wandern vermehrt Pflanzenarten aus fremden Ländern in die gefährdeten Lebensräume ein und verdrängen die seltenen Arten: