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Der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) – eine verführerische Schönheit 

Frauenschuh 1
Foto: Walter Malkmus

Allgemein

Der Frauenschuh ist eine verführerische Schönheit, denn sie ist nicht nur in unseren Augen eine der attraktivsten Orchideenarten, auch viele Insekten lassen sich von ihrer Blüte verlocken. Die Pflanzen werden bis zu 60 Zentimeter hoch und blühen im Mai und Juni. Der namengebende „Schuh“, das pantoffelförmig aufgeblasene, zitronengelbe Blüten-Vorderteil, ist eine Kesselfalle, mit der die Pflanze v. a. Wildbienen anlockt.

Lebensweise

Als Rhizomgeophyt versorgt der Frauenschuh sich über mehrere Jahre über Bodenpilze. Erst im 4. Jahr werden erste grüne Blätter angelegt. Bis die ersten Blüten erscheinen dauert es bis zu 16 Jahre! Er lockt mit seinem als Kesselfalle ausgebildeten „Schuh“ vor allem Hautflügler, meist Wildbienen an, die an einem dünnen Ölfilm in das Innere abrutschen. Die Insekten sterben hierbei aber nicht, wie bei fleischfressenden Pflanzen und werden „verdaut“, sondern die Falle dient einzig der Bestäubung. Auf dem mühsamen Rückweg klettert das Insekt nämlich an der Blütennarbe des besuchten Frauenschuhs vorbei und bestäubt diese über mitgeführte Fremdpollen. Der weitere Weg führt an den Staubbeuteln entlang, die ihren klebrigen Pollen auf den Rücken des Blütenbesuchers heften und mit auf den Weg zur nächsten Blüte gegeben. Nur 30 % der blühenden Pflanzen bilden letztlich Samen aus. Nach einer Samenreifezeit von 4 Monaten benötigen die ausfallenden Samen zur Keimung bestimmte Mykorrhiza-Pilze im Boden.
Frauenschuhe vermehren sich auch vegetativ, das heißt über Wurzelsprosse, und können dadurch in Kolonien von beachtlicher Größe stehen.

Vorkommen und Gefährdung

Der Frauenschuh kommt im Projektgebiet sehr selten in lichten Steppenheidewäldern auf basischen, kalkhaltigen Böden vor. Er steht gerne halbschattig im Schirm von Rotbuchen und Kiefern.  Die ehemals nicht seltene Orchidee ist vor allem durch die zunehmende Verbuschung ihres Lebensraumes, aber leider auch immer noch durch Ausgraben und Pflücken gefährdet und in ihrem Bestand rückläufig.

Maßnahmen

Im Zuge des LIFE+ Naturprojektes werden bekannte Vorkommen des Frauenschuhs durch behutsame Entnahme den Standort zu stark beschattender Bäume und Sträucher gefördert und entwickelt, in enger Abstimmung mit Vertretern der Forstbehörden und dem Arbeitskreis Heimische Orchideen. Mit einem Monitoring wird die Bestandsentwicklung in den Folgejahren nach den Maßnahmen überwacht und begutachtet.

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