Wertvoller Naturraum
attraktive Kulturlandschaften
Main - Saale - Wern

Der Hirschkäfer (Lucanus cervus) – ein imposanter Geweihträger

WM Hirschkäfer 1
Foto: Walter Malkmus

Allgemein

Hirschkäfer sind die größten Käfer Mitteleuropas und namentlich allgemein bekannt. Die Wenigsten aber konnten sie schon in der Natur beobachten, denn sie sind sehr selten geworden. Seinen Namen erhielt der Käfer von den großen „Geweihen“, den ungefähr 3 cm langen Oberkiefern  der Männchen, die diese beim Kampf mit Rivalen um Paarungsrechte und zum Festhalten der Weibchen bei der Paarung einsetzen. Im Gegensatz zu den bis zu 9 cm großen Männchen sind die Weibchen deutlich kleiner (max. 4 cm) und geweihlos.


Hirschkaefer 1

Lebensweise

Hirschkäfer schlüpfen und schwärmen von Mitte Juni bis Ende Juli an lauen Sommerabenden – ihr lautes Brummen ist hierbei nicht zu überhören. Sie sammeln sich zur Nahrungsaufnahme besonders gerne an Wundstellen alter Eichen, entstanden durch Blitzschlag, Windbruch oder Frostriss, denn die Tiere brauchen zur Reifung ihrer Keimzellen diesen ganz besonderen Baumsaft. Das Weibchen vergrößert dabei mit seinen kräftigeren Beißwerkzeugen die blutende Baumwunde, die „Geweihe“ der Männchen sind dabei eher hinderlich. An diesen Leckstellen findet nach stundenlangen Kämpfen mit Rivalen auch die Paarung mit dem siegreichen Männchen statt. Danach hat das Männchen seine Aufgabe erfüllt und stirbt nach wenigen Tagen. Das Weibchen aber gräbt sich bis zu 50 cm tief in morsche Wurzelstücke von alten Eichen ein und legt dort seine Eier ab. Gelegentlich findet die Eiablage auch an anderen Laubhölzer wie Kirschen oder Pappeln statt. Die Larven ernähren sich vom feuchten, morschen, verpilzten Holz der Strünke über mehrere Jahre. Dabei wandeln sie das tote Holz zu Mulm um. In dieser Zeit häuten sie sich zweimal und erreichen mit 11 cm eine beachtliche Größe. Nach 5 bis 8 Jahren bauen sie sich in ca. 20 cm Tiefe eine etwa faustgroße „Puppenwiege“, einen Kokon mit 2 cm dicken Wänden aus Erde und Mulm. Ungefähr sechs Wochen später schlüpfen die Käfer und überwintern im Mulm. An warmen Frühlingstagen graben sie sich bis an die Bodenoberfläche hoch und verbringen bis zur Paarung und Eiablage vergleichsweise nur noch eine kurze Zeit ihrer gesamten Entwicklungszeit als ausgewachsener Käfer.
Spechte, Eichelhäher, Raben und Eulen fressen übrigens gerne die schmackhaften Männchen und sind daher zur Paarungszeit auch regelmäßig zu Gast an den Saftleckstellen.

Vorkommen und Gefährdung

Hirschkäfer wurden in den letzten hundert Jahren selten, weil sie keine geeigneten Brutsubstrate und Saftleckstellen mehr in den Wäldern fanden. Die Gründe lagen v.a. in der Intensivierung der Forstwirtschaft durch den Umbau in Nadelholzkulturen, durch die Rodung von Stubben und die allgemeine Tendenz, kein totes Stammholz in den Wäldern zu belassen, denn diese gelten als Borkenkäferbrutstätten. In Deutschland sind von der ursprünglich flächendeckend verbreiteten Art nur noch kleine Vorkommen, besonders in alten Laubmischwäldern, aber auch in großen und v. a. historischen Parkanlagen mit alten Baumbeständen vorhanden.

Totholz 1
Abgestorbener Kirschbaum: Fundort eines frisch geschlüpften Hirschkäfermännchens

Maßnahmen

Im Zuge des LIFE+ Naturprojektes sind keine speziellen Artenhilfsmaßnahmen für den Hirschkäfer vorgesehen. Bei Auflichtungen und Entbuschungen wird die Hirschkäferpopulation indirekt dadurch gefördert, dass abgängige Eichen, aber auch alte Obstbäume als Biotopbäume, nicht nur für den Hirschkäfer, erhalten werden. Lichte Eichenwälder werden durch die Entnahme von Schwarzkiefern gefördert und in Mittelwälder umgebaut, eine Naturverjüngung der Wälder mit  Eichen wird gefördert.

< zurück