Wertvoller Naturraum
attraktive Kulturlandschaften
Main - Saale - Wern

Die Lebensräume der Mainfränkischen Kulturlandschaft:
ein Mosaik aus schroffen Felsen, herrlichen Trockenrasen, lichten Wäldern, blütenreichen Streuobstwiesen und steilen Weinbergen

Die charakteristischen Lebensräume der mainfränkischen Kulturlandschaft sollen durch Maßnahmen des Projekts gesichert, erhalten und wiederhergestellt werden. Hierbei handelt es sich um primär offene, d. h. natürlich entstandene und sekundär offene, d.h. durch menschliche Nutzung entstandene Lebensräume, die ehemals mit trockenen Waldformen bewachsen waren. Nach Rodung der Bäume und Sträucher wurden die besseren Flächen durch regelmäßige Mahd zur Heugewinnung als Streuobstwiesen, die trockeneren, weniger produktiven Standorte als Weideland für Schafe oder Ziegen oder als Rinderhutungen genutzt. Hänge wurden mit Trockenmauern terrassiert und Weinberge angelegt. Zur Brennholzgewinnung wurden die trockenen Wälder als Nieder- und Mittelwälder bewirtschaftet. Zu den ehemaligen, extensiven Kulturformen gehörten auch Kalkschotter-Schürfstellen, in denen Kalkschotter zum Wegebau oder für Kalköfen, wie sie früher fast jede Gemeinde des Projektgebiets betrieben hat, abgebaut wurde. Auch kleine Steinbrüche, in denen der wertvolle Quaderkalk für das Baugewerbe gebrochen wurde, wie im Raum Winterhausen - Goßmannsdorf südlich von Würzburg, sind Zeitzeugen ehemaliger Landnutzung. In ihnen und im Umfeld entstanden Abraumhalden, auf denen sich nach Aufgabe der Steinbrüche in den letzten Jahrzehnten wieder flächig Sträucher und Bäume aufwuchsen, kleine Felswände und Kleingewässer. Ein vielflätiges Oberflächenrelief aus Gräben, Aufschüttungen und Schotterkegeln mit vielfältigen mikroklimatisch begünstigten Standorten entstand. Kleinflächiges menschliches Tun schuf so über lange Zeiträume immer wieder "Landschaftswunden" wie Rohbodenstellen, offene Schotterfluren oder freie Felswände.

Diese extensive, traditionelle Landnutzung und -bewirtschaftung hat somit dazu beigetragen, dass sich eine besonders wertvolle Kulturlandschaft mit einer einzigartigen Flora und Fauna entwickeln konnte, denn in diesem Naturraum finden sich zudem noch biogeographischen Besonderheiten, die ein Nebeneinander von Arten des Mittelmeerraums wie auch Arten östlicher Kältesteppen ermöglicht.

Im Rahmen des LIFE+ Projekts „MainMuschelkalk“ sollen 7 Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH-Richtlinie erhalten, optimiert und erweitert werden mit dem Ziel einen günstigen Erhaltungszustand für zahlreiche charakteristische Arten zu fördern und zu verbessern.

Darunter befinden sich 3 prioritäre Lebensräume: prioritäre Lebensraumtypen sind EU-weit vom Aussterben bedroht sind. Die Europäische Gemeinschaft hat eine besondere Verantwortung für deren Erhaltung hat, weil ihr Verbreitungsschwerpunkt in Europa liegt.

    • Lückige basophile Kalk-Pionierrasen (LRT 6110*):
    • Naturnahe Kalktrockenrasen und deren Verbuschungsstadien, besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen (LRT 6210*)
    • Faserschirm-Erdseggen-Trockenrasen: großflächige Vorkommen bei der Ruine Homburg, bei Karlstadt am Grainberg und am Saupurzel
    • Gamander-Baugrashalden: insbesondere am Kallmuth bei Triefenstein und bei Karlstadt am Grainberg
    • Kalkhaltige Schutthalden (LRT 8160*)

Weitere Lebensräume des Anhang I der FFH-Richtlinie, die im Rahmen des Projekts erhalten, optimiert und entwickelt werden sollen sind:

    • Formationen von Juniperus communis auf Kalkheiden und –rasen (LRT 5130)
    • Magere Flachland-Mähwiesen (LRT 6510) vorwiegend unter Streuobstbeständen
    • Natürliche und naturnahe Kalkfelsen und ihre Felsspaltvegetation (LRT 8210)
    • Mitteleuropäische Orchideen- Kalkbuchenwälder (LRT 9150)