Wertvoller Naturraum
attraktive Kulturlandschaften
Main - Saale - Wern

Der Mainfränkische Muschelkalk - Entstanden aus Meeresablagerungen

Als Muschelkalk werden die in Mitteldeutschland weit verbreiteten, an versteinerten Muscheln und Schnecken reichen Kalksteine bezeichnet.
Vor rund 230 Millionen Jahren,  dem Erdmittelalter (Trias), allgemein bekannt als dem Zeitalter der Saurier, waren weite Teile Deutschlands von einem flachen Binnenmeer bedeckt. Über schmale Meerengen stand es in Verbindung zur „Tethys“, dem damaligen Mittelmeer. Am Meeresgrund lagerten sich kalkhaltige Schalen von Fossilien (v.a. Muscheln, Tintenfische, Schnecken und Armfüßer, sog. Brachiopoden) ab, die sich über geologische Zeiträume hinweg zu über 100 Meter mächtigen „Muschelkalk“-Schichten aufbauten.

Der Muschelkalk wird in drei geologische Schichten aufgegliedert:

    • Oberer Muschelkalk – fossilienreich
    • Mittlerer Muschelkalk - fossilienarm
    • Unterer Muschelkalk (Wellenkalk) – fossilienreich

Im Trias (griechisch = 3) entstanden die für das süddeutsche Schichtstufenland geologisch prägende Formationen des Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper.

Bedeutender Wegbereiter für die mainfränkischen Trockenstandorte

In Millionen von Jahren haben sich die Flüsse Main, Wern und Saale tief in die anstehenden Muschelkalkplatten eingeschnitten. Insbesondere im Bereich des Unteren Muschelkalks, auch Wellenkalk genannt, bildeten sich steile Hänge aus.  Darüber liegende härtere Schaumkalk- oder Quaderkalkbänke treten als landschaftsprägende Felsen v. a. im Maintal nördlich von Würzburg zu Tage und bilden eine deutliche Grenze zu den wieder darüber liegenden Schichten des Mittleren und Oberen Muschelkalk ab.

Retzbach Benediktusberg 3
Retzbach Felsen der Benediktushöhe

Für die außergewöhnliche Ausprägung der mainfränkischen Trockenstandorte sind nicht zuletzt auch die kalkreichen, flachgründigen und wasserdurchlässigen Böden, die auf Muschelkalk entstanden, verantwortlich. Auf ihnen kommen eine Vielzahl an seltenen, spezialisierten Pflanzen- und Tierarten vor. An den steilen, sonnenexponierten Hängen und Hochflächen herrschen zudem teilweise sehr extreme Lebensbedingungen vor, so dass hier auch die primär waldfreien Stellen in Mitteleuropa entstanden, dazu gehören z.B. die Trockenrasen der Steillagen um Karlstadt und die Ruine Homburg.

Bedeutender Faktor für Landschaftsbild und Erholung

Was wären die mainfränkische Landschaft ohne die steilen Hänge und Felsabbrüche. Wer schon einmal vom Homburger Kallmuth oder vom Edelweiß am Kalbenstein ins Maintal oder vom Hammelberg ins Sinntal seine Blicke schweifen ließ und die weiten Blicke genießen konnte, hat diese Landschaft sofort ins Herz geschlossen. Zahlreiche Wanderwege führen immer wieder zu neuen Ausblicken. Natürlich nutzen auch viele Freizeitsportler gerne diese Möglichkeiten zum Klettern oder zum Drachenfliegen.

Kalbenstein 9
Herbstwanderung am "Edelweiß" bei Karlstadt


Bedeutende Rohstoffquelle für Bauindustrie

Die Kalksteine des Oberen Muschelkalks spielen auch für Handel und Industrie in Mainfranken  eine wichtige Rohstoffquelle.

Wuerzburg Mainbruecke 1
Alte Mainbrücke in Würzburg – gebaut auf Muschelkalk aus einem Steinbruch
am Bronnberg etwa 8,5 km flussaufwärts am linken Mainufer nahe Eibelstadt,
gelegen - dem heutigen Naturschutzgebiet "Bromberg-Rosengarten"

Einst hatte jede Gemeinde ihren eigenen Kalkofen  – vielfach erinnert man sich wieder an diese und richtet Sie als historisches Zeugnis für die Nachkommen her. Zahlreiche Abbaustellen für die Herstellung von Zement, für Schotter und Splitt graben sich in den Muschelkalkhänge entlang der Flusstäler. Im großen Stil wird heute bei  Karlstadt und Lengfurt Zement hergestellt (Zementwerk Schwenk, Heidelberger Zement). Besonders bedeutsam sind die Vorkommen des Oberen Muschelkalks südlich von Würzburg im Raum Kirchheim. Die hier angesiedelten Natursteinbetriebe nutzen die harten Quaderkalk-Bänke des Oberen Muschelkalks zur Gewinnung von verschiedenen Werksteinen.

Bedeutender Faktor für den Weinbau

Der Muschelkalk stellt auch eine wichtige Bodengrundlage für den Weinanbau dar. Über viele Jahrhunderte wurde der Weinbau zu einer der bedeutendsten landschaftsprägenden und -verändernden Landwirtschaftsform in Mainfranken.

NSG Maeusberg 7
Weinberge bei Gambach

Die stellenweise extrem steilen Lagen sind schwierig zu bewirtschaften. Flachere Hänge wurden flurbereinigt  - die landschaftsbildprägenden Natursteinmauern, in mühevoller Handarbeit von den Vorfahren erbaut um die Hänge zu terrassieren und bewirtschaften zu können, sind verschwunden. Nur noch in steilen Lagen finden sich diese kulturhistorisch bedeutsamen und Trockenmauern aus Muschelkalkstein – Zeitzeugen kleinbäuerlicher Handwerkskunst
Die Böden aus Muschelkalk erwärmen sich rasch und kühlen nur langsam aus. Dies ermöglicht der Muschelkalk, der als verwitterter Schotter die Böden durchzieht in Verbindung mit den angrenzenden Felsen und Natursteinmauern. Sie heizen sich in der Sonne auf und geben die Wärme rasch weiter.
Bereits Goethe schätzte den Würzburger Steinwein: “... sende mir noch einige Würzburger; denn kein anderer Wein will mir schmecken, und ich bin verdrüßlich, wenn mir mein gewohnter Lieblingstrank abgeht” (17.6.1806)