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Grillen, Heuschrecken und Zikaden - gut getarnt und mit Aha-Effekt

Allgemein

Wer in den Spätsommertagen über die Trockenrasen wandert, kann sie nicht übersehen: Heuschrecken mit roten oder blauen Flügeln flüchten vor den Füßen des Besuchers in kurzem Flug davon. Sucht man sie dann an ihrem möglichen Landeplatz, muss man schon ganz genau spähen, denn im Sitzen sind sie gut getarnt. Es handelt sich hierbei um ganz charakteristische Heuschreckenarten, die Wärme und trockene Standorte lieben und ausschließlich in Trocken- und Magerrasen sowie Fels- und Schuttfluren vorkommen. In den Trockenrasen des LIFE+ Naturprojekts trifft man auf so seltene Arten wie Rot- und Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda germanica und coerulescens), Rotflügelige Schnarrschrecke (Psophus stridulus) oder auch die noch seltenere Italienische Schönschrecke (Calliptamus italicus).

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Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda germanica)

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Italienische Schönschrecke (Calliptamus italicus)

Die Italienische Schönschrecke kommt in Bayern nur noch an wenigen Fundorten in Populationen von wenigen Tieren vor, mit Schwerpunkt im Raum Würzburg. Alle genannten Arten sind trotz ihrer Flugfähigkeit sehr standorttreu und können höhere Strukturen wie Hecken nicht überwinden, so dass eine zunehmende Verbuschung relativ schnell zu einer Verinselung ihrer Lebensräume führt. Ihre Eipakete legen diese seltenen Heuschreckenarten in den Oberboden der halboffenen Rasen.

Der Heidegrashüpfer (Stenobothrus lineatus) ist noch einer der häufigsten Vertreter der Heuschreckenarten trockenwarmer Magerrasen und bevorzugt sogar beweidete Flächen. Mit viel Glück kann man auch violette Farbvarianten beobachten.

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Farbvariante des Heidegrashüpfers im Frühherbst im Naturschutzgebiet "Rammersberg"

Das Weinhähnchen (Oecanthus pellucens) ist eine Blütengrille und wohl einer der jüngsten Einwanderer aus dem Mittelmeerraum. Sein auffälliger, melodiöser Gesang nach Einbruch der Dunkelheit ist erst seit wenigen Jahren im unterfränkischen Maintal zu hören und kann unter günstigen Bedingungen bis 500 m weit wahrgenommen werden. Er vermittelt auf einzigartige Weise eine mediterrane Urlaubsatmosphäre an warmen Sommerabenden. Neben Pflanzenteilen frisst das Weinhähnchen bevorzugt auch kleine Insekten wie Blattläuse.

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Weinhähnchen (Oecanthus pellucens); Foto: Wolfgang Piepers

Die Blutrote Singzikade, auch Lauer genannt (Tibicen haematodes) ist auch in Unterfranken stark rückläufig. Der laute, metallisch surrende Gesang der Männchen kann man noch in einigen FFH-Gebieten des LIFE+ Naturprojekts vernehmen. Die Männchen bevorzugen als Singwarten einzeln stehende Bäume wie Kiefern oder Obstbäume. Sie singen an heißen Tagen von Juni bis Mitte Juli vor allem in der Mittagszeit.

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Blutrote Singzikade (Tibicen haematodes); Foto: Wolfgang Piepers

Auch die Bergzikade (Cicadetta montana) ist überaus selten und jeder kann sich glücklich schätzen ihren „Gesang“ in unseren Breiten zu hören. Dass hierbei nur die Männchen lärmen, war schon den alten Griechen bekannt und verleitete den griechischen Dichter Xenarchos zu dem Ausspruch: „Glücklich leben die Zikaden, denn sie haben stumme Weiber“.

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Bergzikade (Cicadetta montana); Foto: Wolfgang Piepers

Maßnahmen

Durch die vorgesehenen Maßnahmen des LIFE+ Naturprojekts wie "Entbuschung von Trockenstandorten", "Auflichtungen von Wäldern" sowie eine anschließende Beweidung werden die Lebensräume für diese Arten in entscheidender Weise gesichert, wiederhergestellt und erweitert und sichern so ihr dauerhaftes Überleben. Eine Beweidung der Lebensräume schafft zudem auch immer Rohbodenstellen durch kleinflächig abgetretene Steine und Oberboden - für einige Heuschreckenarten sind dies überlebenswichtige Strukturen. Die meisten der weiteren vorkommenden, aber weniger auffälligen Heuschreckenarten des Projektgebiets sind wärmeliebend und brauchen offene Wiesen und Trockenrasen aber auch halboffene, strukturreiche warme Hecken- und Waldsäume.

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