Wertvoller Naturraum
attraktive Kulturlandschaften
Main - Saale - Wern

Heimliche Sonnenanbeter: Reptilien

Es kommen nur wenige Reptilienarten in den FFH-Gebieten des Projektgebiets vor: Zauneidechse (Lacerta agilis), Schlingnatter (Coronella austrica), Blindschleiche und gelegentlich auch die Ringelnatter. Insbesondere die erst genannten sind wahre Sonnenanbeter, da sie als wechselwarme Tiere ein starkes Wärmebedürfnis haben. Reptilien regeln ihre Körpertemperatur durch ein gezieltes Aufsuchen von Sonnplätzen oder beschatteten Bereichen. Kälteperioden wie allgemein im Winter, aber auch nasskalte Witterungsperioden im Frühjahr oder Herbst in Verbindung mit wenig Nahrung zwingen diese Tiere zur "Winterruhe". Zum Überwintern werden Erdlöcher, Fels- und Mauerspalten, Wurzel- und Baumhöhen u. ä. aufgesucht. Ihre Nahrung besteht aus Insekten und Gliedertieren, Würmern, aber auch anderen Gliedertieren.

Zauneidechse 1
Zauneidechsen-Männchen (Lacerta agilis)

Der bevorzugte Lebensraum der Zauneidechse kann aus ihrem deutschen Namen abgeleitet werden. Es sind Grenzstrukturen und Übergangsbereiche wie sonnige Säume entlang von Wäldern und Hecken, Trockenmauern und Wegraine. Der lateinische Artname lautet übersetzt flinke Eidechse - auch sehr treffend. Zur Eiablage benötigt sie lockeren und gut grabbaren, gerne sandigen Boden. Der angrenzende Lebensraum sollte eine nicht völlig geschlossene Krautschicht, Sonnenplätze und Unterschlupf wie Trockenmauern, Felsen, Baumstümpfe und auch etwas Gebüsch als Deckung umfassen. Eigentlich bescheidene Ansprüche, doch durch das Verschwinden von Saumstrukturen entlang von Äckern, Wiesen und Wäldern aus vielfältigen Gründen ist auch die Zauneidechse stark gefährdet.

Schlingnatter 1
Foto: W. Karches

Die Schlingnatter ist neben der Ringelnatter eine der in Deutschland am häufigsten vorkommenden Schlangenarten, aber wohl die am wenigsten bekannte, da sie perfekt getarnt ist und sehr heimlich lebt. Oft wird sie mit der Kreuzotter verwechselt - ein Blick in die Augen kann hier aber schnell Abhilfe schaffen, denn die Schlingnatter hat runde Pupillen. Sie ernährt sich vor allem von anderen Reptilienarten wie Eidechsen, Blindschleichen, gelegentlich auch von Kleinsäugern und Jungvögeln. Sie bevorzugt strukturreiche Lebensräume, in denen sich offene und niedrigbewachsene Standorte abwechseln.

Durch die Maßnahmen Entbuschung von Trockenstandorten und Streuobstwiesen, Schaffung lichter Waldstrukturen und ein nachhaltiges Offenhalten ihrer Lebensräume z. B. durch Beweidung werden Lebensräume für alle vorkommenden Reptilienarten gesichert, verbessert und vergrößert.

< zurück