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Schmetterlinge, Widderchen und Co. – flotte Segler und sonstige flatterhafte Gestalten

Allgemein

Die hohe Anzahl seltener Pflanzenarten in den FFH-Gebieten des LIFE+ Naturprojekts bedingt in Kombination mit den besonderen kleinklimatischen Bedingungen auch ganz allgemein eine große Vielfalt an Schmetterlingen, da die blütenreichen Magerrasen mit ihren vielen Nektarpflanzen eine bedeutende Nahrungsquelle für die Falter darstellen. Zudem kommen etliche Pflanzenarten vor, auf die sich ganz bestimmte Falter regelrecht spezialisiert haben und die nur in Kombination mit diesen Pflanzenarten und teilweise zudem auch nur mit bestimmten Ameisenarten überleben können.

Wir stellen Ihnen hier eine kleine, aber feine Auswahl vor:

Segelfalter (Iphiclides podalirius) und Schwalbenschwanz (Papilio machaon) aus der Familie der meist farbenprächtigen Ritterfalter sind aufgrund ihr Größe auffällige Schmetterlinge. Der Schwalbenschwanz ist die häufigere Art, da die Eiablage meist an verschiedenen Doldenblütlern erfolgt. In Gärten findet man die Raupe manchmal auch an der Möhre. In den Trockenrasen der Projektgebiets legt das Weibchen seine Eier bevorzugt am Blaugrünen Faserschirm (Trinia glauca) ab. Aber auch am giftigen Diptam (Dictamnus albus) aus der Familie der Rautengewächse kann man seine Raupen finden.

Schwalbenschwanzraupe 1
Raupe des Schwalbenschwanzes (Papilio machao) an Diptam

Ganz anders der ähnliche Segelfalter: er legt seine Eier ausschließlich an zwergwüchsigen Schlehen, sogenannten "Krüppelschlehen" ab, wie sie auf trockensten Bergkuppen und steilen Hängen wachsen. Daher müssen "Krüppelschlehen", die als Eibablagepflanzen des Falters bekannt sind, gekennzeichnet werden, damit sie bei Pflegemaßnahmen und Entbuschungen gesichert und erhalten bleiben. 

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Segelfalter (Iphiclides podalirius), Foto: Wolfgang Piepers

Bläulinge: Bläulinge sind auffällige und häufig zu beobachtende Schmetterlinge der Trockenrasen. Sie sind nicht einfach zu bestimmen. Viele der vorkommenden Bläulingsarten sind stark gefährdet. Die Gründe liegen zum Teil in ihrer spezifischen, hochspezialisierten Fortpflanzungsbiologie.
So zum Beispiel der Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion): er legt seine Eier ausschließlich an der Großen Fetthenne (Sedum telephium) ab und auch die schlüpfende Raupe frisst bis zur Verpuppung in deren dickfleischigen Blättern. Die Pflanze kommt von Natur aus auf Felsbändern vor, hat aber ihren Lebensraum auch in die von Menschenhand geschaffenen Trockenmauern alter Weinbergslagen ausgedehnt. Alte Weinbergslagen mit Trockenmauern sind in den letzten Jahren durch Nutzungsauflassung im Strauchwerk verschwunden und mit ihr auch Pflanze und Schmetterling, denn im dunklen Unterwuchs der Sträucher können sie nicht überleben. 

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Fetthennenbläuling (Scolitantides orion) auf Fetthenne (Sedum telephium) am Hammelberg (FFH-Gebiet Trockenstandorte bei Hammelburg)

Auch der Kreuzenzian-Ameisenbläuling (Maculinea rebeli) kann nur in Gebieten überleben, in denen auch der seltene Kreuzenzian (Gentiana cruciata) vorkommt, der ihm als Eiablage- und Raupenfutterpflanze dient. Zudem benötigt er für seine weitere Entwicklung das Vorhandensein bestimmter Ameisenarten (Knotenameisen), denn die Raupe lässt sich nach einer gewissen Fraßzeit am Kreuzenzian auf den Boden fallen und wird dort von Ameisen „adoptiert“, d. h. die Ameisen tragen die Raupen in ihr Nest, und pflegen und füttern sie bis zur Verpuppung. Geht der Kreuz-Enzian durch eine starke Verbuschung seines Lebensraums zurück und verschwindet, so hat auch der Kreuzenzian-Ameisenbläuling kein Fortkommen mehr. Der Falter kommt nur an ganz wenigen Standorten im Projektgebiet vor und gilt bayernweit als stark bedroht (RL BY 2).

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Kreuz-Enzianbläuling (Maculinea rebeli) auf Kreuzenzian (Gentiana cruciata); Foto: Walter Malkmus

Auf den mainfränkischen Magerrasen können auch viele seltene Scheckenfalterarten beobachtet werden. Sie haben auffällig gemusterte Flügelunterseiten. Die meisten sind sehr wärmeliebend, wie der hier abgebildete Rote Scheckenfalter (Melitaea didyma). Im Flug zeigt er seine auffällig orange gefärbten Flügeloberseiten.

Kugellauch Roter Scheckenfa
Roter Scheckenfalter (Melitaea didyma) auf Kugellauch (Allium sphaerocephalon)

Auch der Mauerfuchs (Lasiommata megera) fällt durch seine orangenen Flügel auf. Im Sitzen zeigt er die tarnfarbene Flügelunterseite mit den „Augen“. Er fliegt bevorzugt an felsigen, mit Geröll durchsetzten Hängen und entlang von Trockenmauern. 

Mauerfuchs 1
Mauerfuchs (Lasiommata megera)

Das Glückswidderchen (Zyganea fausta) heißt auch Bergkronwicken-Widderchen und kommt in Bayern fast ausschließlich in den Muschelkalkgebieten Mainfrankens vor. Es ist eines der schönsten Widderchen. Der Kleinschmetterling ist sehr selten und gefährdet, denn auch er ist auf eine ganz bestimmte Pflanze angewiesen, die Bergkronwicke (Coronilla coronata). Diese Spezialisierung schränkt das Vorkommen des Glückswidderchens auf die Wuchsorte dieser Pflanze ein, aber beweist noch lange nicht das Vorkommen des hübschen Falters.

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Glückswidderchen (Zyganea fausta)

Der Schmetterlingshaft (Ascalaphus longicornis) erinnert sowohl an einen Schmetterling als auch an eine Libelle und gehört doch zu einer ganz anderen Familie, nämlich den Netzflüglern. Im Gegensatz zu den Schmetterlingen leben sowohl die Larven wie auch die erwachsenen Tiere räuberisch von kleinen Insekten. Durch die gelb-schwarze Färbung, Größe und Bewegung fällt er auf, er ist aber nur an wenigen Stellen im Projektgebiet zu beobachten, die ein kleinräumig eng verzahntes Mosaik unterschiedlicher Nutzungen und Lebensräume der mainfränkischen Trockenlebensräume aufweisen.

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Schmetterlingshaft (Ascalaphus longicornis)

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Frisch geschlüpfter Schmetterlingshaft (Ascalaphus longicornis), Foto: Wolfgang Piepers

Maßnahmen

Durch die vorgesehenen Maßnahmen des LIFE+ Naturprojekts wie "Entbuschung von Trockenstandorten", "Auflichtungen von Wäldern" sowie durch Beweidung werden die Lebensräume für diese Arten in entscheidender Weise gesichert, wiederhergestellt und erweitert und fördern so ihr dauerhaftes Überleben.

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