Wertvoller Naturraum
attraktive Kulturlandschaften
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Lichte Wälder - beeindruckende Parklandschaften mit malerischen Baumgestalten


Lichte-Waelder 1

Auf den extrem trockenen Standorten der Handschultern und der Hochplateaus finden sich lichte Waldbestände, die aufgrund der extremen Standortvoraussetzungen aus forstwirtschaftlicher Sicht wenig produktiv sind. Sie sind nur teilweise natürlichen Ursprungs, wenn sie z. B. den allmählichen Übergang der Trockenrasen zu trockenen Waldbeständen auf tiefgründigeren Böden bilden. Meist entstanden  diese lichten, unterholzarmen Wälder aber durch den Menschen. Er bewirtschaftete diese Wälder früher als Nieder- und Mittelwald – einer heute selten gewordenen, forstwirtschaftlichen Umtriebsform bei der alle 20 – 40 Jahre Laubholz hauptsächlich zur Brennholznutzung geschlagen wurde. Hierdurch wurden v. a. Stockausschlag fähige Laubbäume gefördert. Durch die Auflichtung entwickelten sich trockene Rasen zwischen den Bäumen, die beweidet werden konnten. Freistehende Bäume konnten breite Kronen entwickeln und dientem dem Vieh als Schattenspender in der heißen Jahreszeit. So entstanden lichte Waldbestände mit einer orchideenreichen Krautschicht (orchideenreiche Kalkbuchenwälder) mit besonders wertvollen Vorkommen von Frauenschuh (Cypripedium calceolus), Diptam (Dictamnus albus), Kreuzenzian (Gentiana cruciata), Aufrechte Waldrebe (Clematis recta) oder Bergkronwicke (Coronilla coronata). Das Mosaik aus Trocken- und Halbtrockenrasen, Säumen, Gebüschen und lichten Waldbeständen nennt man auch „Steppenheidewald“. Viele seltene Baumarten kommen hier vor, so z. B. der Französische Ahorn (Acer monspessulanum), verschiedene Mehlbeerenarten (Sorbus-Arten), Speierling (Sorbus torminalis) und Steinweichsel (Prunus mahaleb).


Auch für viele Tierarten sind diese lichten Wälder von großer Bedeutung. So entwickeln sich z. B. die Larven des Hirschkäfers (Lucanus cervus) über viele Jahre in abgestorbenen Eichenstrünken und findet die Spanische Flagge (Euplagia quadripunctaria) ausreichend große Bestände ihrer bevorzugten Saugpflanze Dost (Origanum vulgare). Auch das Glückwidderchen (Zygaena fausta) muss hier erwähnt werden. Es legt seine Eier ausschließlich an der Bergkronwicke (Coronilla coronata) ab, die wiederum in Bayern nur in der trockenen Krautschicht und den Saumgesellschaften der lichten, mainfränkischen Wälder vorkommt. Der im Unterwuchs oft reichlich vorkommende Blutrote Storchschnabel (Geranium sanguineum) ist Eiablage- und Raupenfutterpflanzen des vom Aussterben bedrohten Storchschnabel-Bläulings (Eumedonia eumedon).

Findet keine Nutzung mehr statt, wandeln sich die ehemaligen Nieder- und Mittelwälder allmählich in Hochwald um. Die Krautschicht wird zunehmend beschattet und verändert sich. Licht und Wärme liebende Pflanzen verschwinden und mit Ihnen die auf sie angewiesenen, spezialisierten Tierarten. Ihre Vorkommen werden an Waldränder und kleine Lichtungen zurückgedrängt und sind heute stark gefährdet.