Wertvoller Naturraum
attraktive Kulturlandschaften
Main - Saale - Wern

Halbtrockenrasen:

Retzbach Tierthalberg 1

EU-weit besonders schützenswert sind orchideenreiche Trockenrasen, die im Projektgebiet besonders artenreich ausgebildet sind. Sie finden sich vorwiegend in den höherwüchsigen Rasen unter lichtem Kiefernbestand. Diese offenen, trockenen Rasengesellschaften entwickelten sich unter menschlicher Nutzung. Sie entstanden auf Schafstriften und Hutungen der Bergrücken und Hangschultern, dort wo der Wanderschäfer entlang zog oder wo genügsame Schafe und Ziegen aus dem naheliegenden Ort gehütet wurden. Mit dem Rückgang der Wanderschäferei, der Aufgabe der Allmende und dem Verschwinden von Nutztieren aus den Dörfern wurden diese Flächen nicht mehr beweidet und fielen brach. Die verbleibenden, abgestorbenen Pflanzenreste aus abgestorbenen Gräsern und Kräutern sammeln sich auf dem Oberboden, beschatten zunehmend den Standort und verändert das Kleinklima. Bäume und Sträucher können wieder keimen und fangen an, sich ihren ursprünglichen Lebensraum zurückzuerobern. Ein ganz natürlicher Entwicklungsprozess setzt ein – aber was geht damit verloren: einer unser artenreichsten Lebensräume mit vielen Tier- und Pflanzenarten, die selten und geschützt sind, nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland und meist auch in der gesamten EU. Wie bereits erwähnt, kommen in diesen Lebensräumen besonders viele Orchideenarten vor. Mit über 20 Arten wächst fast ein Drittel aller einheimischen Orchideenarten im Projektgebiet: Frauenschuh (Cypripedium calceolus), verschiedene Knabenkräuter (Orchis- und Anacamptis-Arten), Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), Händelwurz (Gymnadenia) und Stendelwurz (Epipactis-Arten) sowie die mediterranen Ragwurz-Arten (Ophrys). Nicht minder attraktiv sind viele weitere vorkommende Pflanzenarten wie Silberdistel (Carlina acaulis) und Feldmannstreu (Eryngium campestre), Karthäusernelke (Dianthus carthusianorum) oder die verschiedenen Enzian-Arten (Gentiana-Arten).

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