Wertvoller Naturraum
attraktive Kulturlandschaften
Main - Saale - Wern

Blütenreiche Streuobstwiesen - artenreicher Lebensraum, schmackhaftes Obst und bedeutende Naherholungsgebiete

Streuobst

Streuobstwiesen zeigen das Zusammenspiel  von Natur und Landschaft, Kultur und Nutzung besonders deutlich. Ab dem 16. Jahrhundert wurden an den Hängen um die mainfränkischen Dörfer Obstwiesen angelegt. Sie bildeten eine wichtige Nahrungs- und Einnahmequelle der ländlichen Bevölkerung. Um steile Grundstücke besser mähen zu können, wurden die Hänge mit kleinen Mauern terrassiert. Viele Streuobstwiesen entstanden auch auf ehemaligen Weinbergen. Betrachtet man historische Aufnahmen von Dörfern aus dem Gebiet fällt auf, dass sich Waldbestände sich meist auf die Höhenzügen beschränkte, Gehölzbestände wuchsen entlang von Hohlwegen oder entlang von Bächen und Flüssen  - alles andere waren Streuobstwiesen, kleine Äcker und Weinberge – eine offene, strukturreiche Landschaft.

Die blütenreichen Wiesen wurden jährlich mindestens zweimal gemäht, das Heu verfüttert, das Obst geerntet und für den Eigenbedarf eingelagert oder verwertet. Was zu viel war, kaufte der Obsthändler auf und brachte es auf den Großmarkt. Im milden Klima konnte nicht nur Kernobst angebaut werden, auch Steinobst wie Kirschen, Zwetschgen, Mirabellen, Pfirsiche, Aprikosen und Walnüsse gediehen in hervorragender Qualität. …reich war die Ernte im Herbst. Im Zuge des landwirtschaftlichen Strukturwandels veränderte sich in den letzten 40-50 Jahren sehr viel. Wer verwertet heute noch das Obst der zahlreichen Baumwiesen um die Ortschaften. Konservieren und Haltbarmachen ist bei den heutigen globalen Einkaufsmöglichkeiten nicht mehr angesagt. So sind artenreiche Streuobstwiesen heutzutage ein hochbedrohter Lebensraum geworden. Die Wiesen werden kaum mehr gemäht und so wachsen vermehrt Gehölze auf, die Wiesen verbuschen, die alten Obstbäume werden nicht mehr ausgeschnitten und gepflegt und sterben ab. Viele historische Obstsorten gehen damit verloren und mit Ihnen ein vielfältiger Genuss. Und selbst auf Streuobstwiesen, die heutzutage noch gemäht und offen gehalten werden, verändern sich die ehemals artenreichen Wiesen. Werden die Wiesen zwar gemäht, aber das Mähgut nicht als Heu abgeführt, sondern verbleibt es auf den Flächen, so findet eine Nährstoffanreicherung statt. Herabfallendes und liegenbleibendes Obst, das nicht verwertet wird, wirkt ebenso nährstoffanreichernd, die Wiesen werden produktiver, hohe Gräser dominieren und blütenreiche Kräuter werden zurückgedrängt. Zur Offenhaltung der Flächen werden heutzutage vielfach auch Pferde, aber auch Schafe oder Ziegen auf den Wiesen gepfercht. Bleiben diese aber zu lange Zeit auf den Flächen, kann der Verbiss an den Bäumen und die Abweidung der Wiesen zu stark werden sowie eine Aufdüngung der Standorte mit stickstoffreichen Dung erfolgen.
In der Nähe von Siedlungsgebieten sind ortsnahe Streuobstwiesen zudem durch die Ausweisung von Neubaugebieten bedroht.

Mit dem Lebensraum verschwinden auch viele seltene, in Baumhöhlen brütende Vogelarten wie Steinkauz, Wendehals und Gartenrotschwanz oder auch Bilche wie der Gartenschläfer.